Was bedeutet Tilgungsaussetzung?
Tilgungsaussetzung ist eine Vereinbarung zwischen Ihnen und Ihrer Bank, wonach Sie für einen definierten Zeitraum (z.B. 6 Monate) die Tilgung Ihres Kredits aussetzen – komplett oder teilweise.
Beispiel: Sie haben einen Kredit mit monatlich 500 € Rate. Bei einer Tilgungsaussetzung zahlen Sie 6 Monate lang nur die Zinsen (z.B. 100 €) und keine Tilgung. Nach 6 Monaten zahlen Sie wieder normal.
Unterschied zwischen Tilgungsaussetzung, Ratenpause und Ratenstundung
Die Begriffe werden oft durcheinander geworfen – aber es gibt Unterschiede:
- Tilgungsaussetzung: Sie zahlen nur Zinsen, keine Tilgung. Der Kreditbetrag sinkt nicht.
- Ratenpause / Ratenstundung: Sie zahlen gar nichts – weder Zinsen noch Tilgung. Die Raten werden in die Zukunft verschoben.
- Ratenkappung: Sie zahlen eine reduzierte Rate (z.B. statt 500 € nur 250 €).
Im alltäglichen Sprachgebrauch werden diese Begriffe oft synonym verwendet, aber die Folgen für Ihr Portemonnaie sind unterschiedlich.
Wann macht eine Tilgungsaussetzung Sinn?
Tilgungsaussetzung ist eine gute Option, wenn:
- Temporäre Geldnot: Elternzeit, Jobwechsel, Krankheit – nur wenige Monate.
- Absehbares Ende: Sie wissen, dass sich die Situation bald bessert (neuer Job, Erbschaft, Bonus).
- Wenig Zeit nötig: 3–6 Monate reichen, nicht Jahre.
- Kein Umschuldungs-Angebot: Die eigene Bank ist trotzdem günstiger als Refinanzierung.
Tilgungsaussetzung ist KEINE gute Option, wenn:
- Sie chronisch überfordert sind mit der Rate – dann ist Umschuldung besser
- Die Bank deutlich teurer ist als am Markt – vergleichen lohnt sich
- Sie bereits in Zahlungsrückstand sind – ein Gespräch mit der Bank ist wichtiger
So beantragen Sie eine Ratenpause bei Ihrer Bank
Schritt 1: Fragen stellen
- Kontaktieren Sie Ihre Kundenbetreuung direkt (Filiale oder Online-Banking)
- Erklären Sie kurz, warum Sie eine Pause brauchen (Elternzeit, Jobwechsel, etc.)
Schritt 2: Dokumentation
- Legen Sie Nachweise vor (Elternzeitbescheinigung, Arbeitsvertrag, ärztliches Attest – je nach Grund)
- Bank prüft, ob die Aussetzung \"vertretbar\" ist
Schritt 3: Schriftliche Vereinbarung
- Die Bank bietet die Aussetzung an – sie akzeptieren und erhalten eine Bestätigung
- Die Vereinbarung sollte festhalten: Dauer, Zahlungsmodalität, Zinsberechnung
Wichtig: Die Bank muss nicht zustimmen! Sie bieten dies aus Kulanz an. Bei schlechter Bonität oder bereits bestehenden Zahlungsrückständen wird die Antwort meist \"Nein\" sein.
Was kostet eine Tilgungsaussetzung wirklich?
Oberflächlich kostenfrei – aber versteckte Kosten entstehen:
Beispiel: 6 Monate Tilgungsaussetzung
- Kredit: 10.000 € mit 8 % p.a. Zinsen
- Normalerweise: 500 € monatlich (Zins + Tilgung)
- Mit Aussetzung: 6 Monate nur ca. 67 € Zinsen (Zinsanteil)
- Der Kreditbetrag bleibt 10.000 € → nach der Aussetzung dauert es länger, bis es abbezahlt ist
- Folge: Sie zahlen insgesamt etwa 200–300 € mehr an Zinsen über die gesamte Laufzeit
Tilgungsfreiheit bei der Baufinanzierung
Bei Immobilienkrediten gibt es oft vertraglich vereinbarte Tilgungsfreiheiten – z.B. für Elternzeit oder Renovationen. Das ist günstiger, als nachträglich zu verhandeln.
Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel zu Baufinanzierung und Tilgungsoptionen.
Tilgungsaussetzung vs. Umschuldung – Was ist besser?
Tilgungsaussetzung:
- ✅ Schnell organisiert (1–2 Wochen)
- ✅ Keine neuen Kreditanträge
- ❌ Versteckte Kosten (längere Laufzeit, mehr Zinsen)
- ❌ Nur für kurze Zeit
Umschuldung:
- ✅ Dauerhaft günstigere Konditionen (wenn gutes Angebot)
- ✅ Neue, bessere Bedingungen vom Start
- ❌ Neuer Kreditantrag (SCHUFA-Abfrage)
- ❌ Dauert länger (2–4 Wochen)
Fazit: Für temporäre Geldnot (3–6 Monate) lohnt sich Tilgungsaussetzung. Für dauerhafte Probleme mit der Rate ist Umschuldung besser.
Kommunizieren Sie proaktiv
Sprechen Sie mit Ihrer Bank, BEVOR Sie Zahlungen ausfallen lassen. Eine proaktive Anfrage zur Tilgungsaussetzung wird positiver bewertet als erst anzurufen, wenn Sie bereits im Rückstand sind.